Mit dem Wohnmobil drei Wochen der Schweizer Winterkälte entfliehen – dieser Traum wurde Wirklichkeit. Die Reise führte über Frankreich und Spanien nach Marokko, vorbei an der blauen Stadt Chefchaouen, durch beeindruckende Berglandschaften, in die Sahara-Dünen von Erg-Chebbi und zur faszinierenden Todra-Schlucht. Ein Abenteuer voller Farben, Kultur und unvergesslicher Begegnungen.































Die Wintermonate (Dezember bis Februar) sind die beste Reisezeit für Marokko. An der Küste und in den Ebenen herrschen angenehme Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad Celsius – ideal für Erkundungen ohne Hitze. In den Küstenstädten wie Casablanca und Essaouira ist es mild und windig, perfekt für Aktivitäten im Freien.
In den Bergen und der Sahara können die Nächte kalt werden, mit Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Schneefall ist in höheren Lagen des Atlasgebirges möglich. Tagsüber scheint jedoch oft die Sonne, und die Temperaturen steigen auf angenehme 15 bis 18 Grad. Regen fällt haupt-sächlich im Norden und Westen, besonders im Januar und Februar. Die südliche Sahara bleibt trocken. Insgesamt bietet der Winter stabiles, sonniges Wetter – eine willkommene Flucht vor der europäischen Kälte und ideal für Wohnmobil-Reisen durch dieses faszinierende Land.
Der winterlichen Kälte der Schweiz für drei Wochen entkommen – genau das war mein Plan. Nach fast einjähriger Vorbereitung konnte ich ihn endlich in die Tat umsetzen. Da Marokko bekanntlich nicht gerade um die Ecke liegt, führte uns die erste Etappe zunächst nach Frankreich. In Le Barcarès fanden wir auf einem gebührenpflichtigen Stellplatz einen idealen Ort für die erste Nacht. Der Platz kostet zurzeit 14 Euro pro Nacht, exklusive Strom, jedoch inklusive Nutzung der Sanitäranlagen – ein faires Angebot für französische Verhältnisse. Unser zweiter Übernachtungsstopp lag bereits in Spanien. In Alicante fanden wir in einer Seitenstrasse einen öffentlichen, kostenlosen Parkplatz – einfach, aber zweckmässig. Danach ging es weiter Richtung Süden, nach Algeciras, wo sich das kleine, aber unter Campern wohlbekannte Reisebüro Carlos befindet. Dort gibt es Fährtickets nach Marokko zu attraktiven Tagespreisen – und das Beste daran: mit offenem Rückfahrdatum. Eine geniale Lösung, denn so bleibt man flexibel und kann spontan entscheiden, wann die Rückreise ansteht. Die Überfahrt mit der Fähre von Algeciras nach Tanger Med dauert rund eineinhalb Stunden. Vier Reedereien bedienen diese Strecke mehrmals täglich, sodass es kein Drama ist, sollte man einmal eine Abfahrt verpassen. Wichtig: Bei der Hinfahrt muss man auf der Fähre den Pass abstempeln lassen.
Nach der Ankunft in Tanger Med geht es zunächst etwas hektisch zu: Von der Fähre runter, weiter zum Fahrzeugscanner, anschlies-send zur Pass- und Zollkontrolle. Dort erhält man einen kleinen Zettel für das Fahrzeug – diesen gilt es gut aufzubewahren, denn er wird für die Rückreise wieder benötigt! Sind all diese Stationen erfolgreich gemeistert, heisst es schliesslich: Marhaba – herzlich willkommen in Marokko!
Übernachtung im Hafen
Da wir erst spät abends in Tanger Med angekommen sind, beschlossen wir, im Hafengelände auf einem grossen Parkplatz zu übernachten. Der Platz war zwar weder ruhig noch besonders schön, dafür aber kostenlos und sicher – ideal für die erste Nacht in Marokko.
Am nächsten Morgen besorgte ich mir in einem kleinen Handyladen eine Daten-SIM-Karte von INWI mit unlimitiertem Datenvolumen und 4G für 30 Tage zu einem Preis von rund 50 Franken. Die freundliche Verkäuferin aktivierte die Karte gleich vor Ort, sodass ich meinen Router sofort in Betrieb nehmen konnte. Bereits kurz darauf konnte ich die ersten Fotos über WhatsApp in die kalte Schweiz senden. Die Netzabdeckung von INWI war während der gesamten Reise sehr gut – wir hatten zu 99 Prozent Empfang.
Vor 14 Jahren waren wir schon einmal in Marokko unterwegs und waren nun gespannt, was sich verändert hat. Unser erstes Ziel war die blaue Stadt Chefchaouen. Nach rund 120 Kilometern Fahrt erreichten wir den oberhalb der Stadt gelegenen Camping Azilan. Dort hatten wir freie Platzwahl. Nachdem wir uns eingerichtet, den Camper an den Strom angeschlossen und gutes Schuhwerk angezogen hatten, machten wir uns zu Fuss auf den Weg in die Altstadt. Nach etwa zwanzig Minuten erreichten wir die ersten blauen Hausfassaden, die in der Nachmittagssonne besonders schön leuchteten. Wir kamen kaum vorwärts, da es unzählige Fotomotive gibt. Die Stadt ist wirklich beeindruckend. Natürlich probierten wir auch einen frisch gepressten Fruchtsaft, der hervorragend schmeckte und mit 1.50 bis 2.50 Franken pro 4-dl-Becher sehr günstig war.
In Fès, der ältesten der vier Königsstädte des Landes, angekommen, steuerten wir einen grossen, bewachten Parkplatz an, auf dem man für umgerechnet 5 Franken über Nacht stehen bleiben kann. Auf Park4Night einfach «Fès» eingeben. Die Nachtruhe wird zwar von den vielen streunenden Hunden gestört, die bellen, aber der Platz ist meiner Meinung nach trotzdem zu empfehlen. Die Medina von Fès gehört zum Weltkulturerbe und ist in etwa 15 Minuten zu Fuss erreichbar. Die Königsstadt lohnt sich besonders wegen der bekannten Gerbereien und Färbereien. Auch der überschaubare Jardin Jnane Sbil, der öffentlich und kostenfrei zugänglich ist, bietet eine angenehme Abwechslung zum lebhaften Stadtgewimmel.
Der komplette Reisebericht ist im Magazin WOHNMOBIL & CARAVAN Ausgabe 1/26 zu lesen.
Text und Fotos: Anita Maurer
aus dem Magazin: Wohnmobil und Caravan, Zeitschrift Nr. 1/2026